TCM Glossar: Begriffe und Konzepte der Traditionellen Chinesischen Medizin
Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet eine eigene Begriffswelt, die für Außenstehende zunächst ungewohnt wirken kann. Dieses Glossar stellt die wichtigsten Konzepte in Kürze vor und ordnet sie in größere Zusammenhänge ein. Es richtet sich an alle, die TCM besser verstehen möchten, ob als Kunde unseres Sortiments, als Lernende oder als interessierte Leserin oder Leser.
Die Begriffe sind in sieben Bereiche gruppiert, von den Grundbegriffen über die fünf Elemente und die TCM-Organe bis hin zu klassischen Texten und der Kräuterkunde. Eine ausführlichere Einführung in das gesamte System finden Sie auf unserer Seite Was ist TCM.
1. Grundbegriffe
Yin (陰)
In der TCM-Tradition das Prinzip des Ruhigen, Dunklen, Kühlen, Verborgenen. Verbunden mit Nacht, Winter, Wasser und Materie. Bildet zusammen mit Yang die grundlegende Polarität der chinesischen Naturphilosophie.
Yang (陽)
Das Prinzip des Aktiven, Hellen, Warmen, Bewegten. Verbunden mit Tag, Sommer, Feuer und Funktion. Yin und Yang werden in der TCM nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende Kräfte verstanden, die einander bedingen.
Qi (氣)
Oft übersetzt mit Lebensenergie oder Lebenskraft. In der TCM-Tradition jene Kraft, die alle Lebensvorgänge im Menschen durchdringt und bewegt. Eine direkte deutsche Entsprechung existiert nicht, da das Wort Vorstellungen umfasst, für die das Deutsche keinen einzelnen Begriff kennt.
Jing (精)
Die Essenz, einer der drei Schätze (zusammen mit Qi und Shen). In der traditionellen Auffassung die tiefste konstitutionelle Substanz des Menschen, teilweise mit der Geburt mitgegeben durch die Eltern, teilweise durch ein gesundes Leben aufgebaut.
Shen (神)
Der Geist oder das Bewusstsein, der dritte der drei Schätze. Beschreibt in der TCM die geistige und emotionale Verfasstheit des Menschen. In der Tradition mit dem Herzen verbunden.
Blut / Xue (血)
In der TCM nicht identisch mit dem Blut der westlichen Anatomie, sondern ein umfassenderes Konzept, das Nährstoffe und materielle Substanz im Körper umfasst. Eng mit dem Qi verbunden, denn ohne Qi kann das Blut in der TCM-Sicht nicht bewegt werden.
Körpersäfte / Jin Ye (津液)
Die organischen Flüssigkeiten des Körpers, in der TCM in dünnere (Jin) und dichtere (Ye) unterteilt. Sie befeuchten Gewebe, Gelenke und Organe und werden zusammen mit Qi und Blut als zentrale Substanzen des Körpers verstanden.
Yuan Qi (元氣)
Das Ursprungs-Qi oder Quell-Qi, das in der TCM mit der Geburt mitgegeben wird. Es wird in der Tradition den Nieren zugeordnet und bildet die konstitutionelle Grundlage der Lebenskraft.
2. Die fünf Elemente
Die fünf Elemente, im Chinesischen Wu Xing genannt, sind eines der ältesten Grundprinzipien der TCM. Sie sind keine Elemente im chemischen Sinn, sondern Sinnbilder für unterschiedliche Qualitäten und Bewegungsmuster in der Natur.
Holz (Mu, 木)
Das Element des Aufsteigens, des Wachstums, des Frühlings. In der Tradition mit der Leber und der Gallenblase verknüpft. Steht für Aufbruch und Bewegung nach oben und außen.
Feuer (Huo, 火)
Das Element der Ausdehnung, der Wärme, des Sommers. Traditionell mit dem Herzen und dem Dünndarm verbunden. Symbol für Reife und volle Entfaltung.
Erde (Tu, 土)
Das Element des Zentrierens, der Nahrung, des Spätsommers. In der TCM mit Milz und Magen verknüpft. Steht für Stabilität und das Tragen.
Metall (Jin, 金)
Das Element des Sammelns, des Abgrenzens, des Herbstes. Wird in der Tradition Lunge und Dickdarm zugeordnet. Symbol für Klärung und Loslassen.
Wasser (Shui, 水)
Das Element der Ruhe, der Tiefe, des Winters. Verbunden mit Niere und Blase im TCM-Sinn. Steht für Bewahren und für den Ursprung.
Hervorbringender Zyklus (Sheng-Zyklus)
In der Fünf-Elemente-Lehre der Kreislauf, in dem ein Element das nächste hervorbringt. Holz nährt Feuer, Feuer schafft Erde, Erde bringt Metall hervor, Metall lässt Wasser entstehen, Wasser nährt Holz.
Kontrollzyklus (Ke-Zyklus)
Der ergänzende Kreislauf, in dem jedes Element ein anderes kontrolliert oder im Zaum hält. Zusammen mit dem hervorbringenden Zyklus bildet er das dynamische Gleichgewicht der fünf Elemente.
3. Die TCM-Organe (Zang-Fu)
Die TCM-Organe sind nicht identisch mit der anatomischen Sicht der westlichen Medizin. Sie beschreiben Funktionskreise, also Bündel von Aufgaben und Beziehungen, die in der traditionellen chinesischen Auffassung einem Organ zugeordnet werden. Die "Leber" der TCM ist also nicht identisch mit der Leber in einem westlichen Anatomiebuch.
Leber (Gan, 肝)
In der TCM zuständig für den freien Fluss von Qi und Blut sowie für die Speicherung des Blutes. Mit dem Element Holz und dem Frühling verbunden. Eine wichtige Rolle in der TCM-Vorstellung von Bewegung und Emotion.
Herz (Xin, 心)
In der TCM der Sitz des Shen, des Geistes. Traditionell verantwortlich für die Verteilung des Blutes und für geistige Klarheit. Mit dem Element Feuer verbunden.
Milz (Pi, 脾)
In der TCM zentral für die Umwandlung von Nahrung in Qi und Blut. Wichtige Rolle in der traditionellen chinesischen Ernährungslehre. Verbunden mit dem Element Erde.
Lunge (Fei, 肺)
In der TCM verantwortlich für die Aufnahme des Qi der Luft sowie die Verteilung der Körperflüssigkeiten. Mit dem Element Metall und dem Herbst verbunden.
Niere (Shen, 腎)
In der TCM der Speicher der Essenz (Jing) und Sitz der konstitutionellen Vitalität. Mit dem Element Wasser und dem Winter verbunden. Achtung: Das chinesische Wort Shen für Niere wird gleich geschrieben wie Shen für Geist, ist aber ein anderes Schriftzeichen.
Gallenblase (Dan, 膽)
Der Yang-Partner der Leber innerhalb des Holz-Elements. In der TCM verantwortlich für Entschlusskraft und Entscheidungsfähigkeit.
Sanjiao (三焦)
Wörtlich der "Dreifache Erwärmer". Ein TCM-Konzept ohne direkte anatomische Entsprechung, das die Bewegung von Qi und Flüssigkeiten durch den Körper in drei Abschnitten beschreibt: oben (Herz, Lunge), Mitte (Milz, Magen, Leber) und unten (Niere, Blase, Darm).
4. Pathologische Konzepte aus der Tradition
Die TCM beschreibt Zustände von Ungleichgewicht mit einer eigenen Begriffswelt. Diese Konzepte sind nicht direkt mit westlichen Diagnosen vergleichbar.
Qi-Stagnation (Qi Zhi, 氣滯)
Ein TCM-Konzept für eine Situation, in der das Qi in einem Bereich des Körpers nicht frei fließt. Besonders oft mit der Leber assoziiert.
Blut-Stase (Xue Yu, 血瘀)
Eine Vorstellung der TCM, in der die Bewegung des Blutes in einem Bereich stockt oder verlangsamt ist.
Feuchtigkeit (Shi, 濕)
Ein pathologisches Konzept der TCM, das in der Tradition Schwere, Trübung und Stagnation beschreibt. Kann nach traditioneller Auffassung äußere oder innere Ursachen haben.
Hitze (Re, 熱)
Eine in der TCM beobachtete Disharmonie, die mit Trockenheit, Unruhe und Beschleunigung verbunden ist.
Kälte (Han, 寒)
Das Gegenstück zur Hitze. In der traditionellen Sicht mit Verlangsamung, Zusammenziehung und mangelnder Wärme verbunden.
Mangel (Xu, 虛)
Ein TCM-Begriff für einen Zustand, in dem etwas zu wenig vorhanden ist. Die TCM unterscheidet zum Beispiel Qi-Mangel, Blut-Mangel, Yin-Mangel und Yang-Mangel.
Wind (Feng, 風)
Ein pathogenes Konzept der TCM, das mit Bewegung, Wechselhaftigkeit und plötzlichem Auftreten verbunden ist. Kann nach traditioneller Sicht von außen kommen oder im Inneren entstehen.
5. Diagnostik und Methoden
Zungendiagnose
Eine der klassischen Untersuchungsmethoden der TCM. Form, Farbe, Belag und Beweglichkeit der Zunge geben in der traditionellen Sicht Hinweise auf das innere Gleichgewicht.
Pulsdiagnose
Das traditionelle Tasten des Pulses an drei Stellen jedes Handgelenks. In der TCM eine der wichtigsten diagnostischen Methoden, die jahrelange Übung erfordert.
Akupunktur
Die Behandlung bestimmter Punkte auf den Meridianen mit feinen Nadeln. Eine der fünf Säulen der TCM und in Europa eine der bekanntesten ihrer Methoden.
Tuina (推拿)
Die manuelle Behandlung des Körpers in der TCM, mit eigenen Techniken und einer eigenen Tradition. In mancher Hinsicht der westlichen Massage verwandt.
Qigong
Eine Bewegungs- und Atemschule, die in der TCM-Tradition zur Pflege des Qi dient. Wörtlich übersetzt etwa "Arbeit am Qi" oder "Übung des Qi".
Moxibustion (Moxa)
Eine traditionelle Methode, bei der getrocknetes Beifußkraut (Artemisia) verbrannt wird, um Wärme an bestimmte Körperstellen zu bringen. Häufig in Kombination mit Akupunktur eingesetzt.
6. Kräuterkunde-Begriffe
Dao Di (道地)
Das traditionelle Prinzip der chinesischen Kräuterkunde, dass jedes Kraut eine optimale Anbauregion hat. Mehr dazu auf unserer ausführlichen Seite zum Dao-Di-Prinzip.
Rezeptur / Formel (Fang, 方)
In der chinesischen Kräuterkunde eine festgelegte Kombination aus mehreren Kräutern in überlieferten Verhältnissen. Klassische Rezepturen wurden über Jahrhunderte überliefert und kommentiert.
Tang (湯)
In der traditionellen chinesischen Kräuterkunde eine Rezeptur, die ursprünglich als Abkochung (Dekokt) zubereitet wurde. Heute werden klassische Tang-Rezepturen oft auch als Tabletten oder Granulat angeboten.
Wan (丸)
In der traditionellen Form eine Pillenzubereitung, oft mit Honig oder Mehl gebunden. Wan-Rezepturen unterscheiden sich in der klassischen Anwendung von Tang in Dosierung und Wirkungseigenschaften.
San (散)
In der klassischen Form eine pulverisierte Rezeptur. Heute meist in Form von Tabletten oder anderen modernen Darreichungsformen erhältlich, etwa bei Xiao Yao San.
5:1 Konzentrationsverhältnis
Eine moderne Methode, bei der pflanzliches Rohmaterial auf ein Fünftel seiner ursprünglichen Menge konzentriert wird. Aus etwa 180 g rohem Kräuterausgangsmaterial entstehen so 36 g konzentrierte Tabletten.
Hauptkraut, Minister, Assistent und Botschafter
In der klassischen chinesischen Kräuterkunde die hierarchische Rollenverteilung der Zutaten innerhalb einer Rezeptur. Das Hauptkraut trägt die Hauptaufgabe, die anderen unterstützen, ergänzen oder vermitteln. Eine durchdachte Rezeptur lebt vom Zusammenspiel dieser Rollen.
7. Klassische Texte und Tradition
Huangdi Neijing (黃帝內經)
Der "Klassiker des Gelben Kaisers", einer der ältesten erhaltenen Texte der chinesischen Medizingeschichte. Entstanden in seiner heute überlieferten Form vermutlich zwischen dem dritten und ersten vorchristlichen Jahrhundert.
Shang Han Lun (傷寒論)
Eine der wichtigsten Rezeptursammlungen der TCM, verfasst von Zhang Zhongjing in der späten Han-Dynastie um 200 nach Christus. Bildet bis heute die Grundlage vieler klassischer Rezepturen.
Bencao Gangmu (本草綱目)
Das monumentale Werk von Li Shizhen aus der Ming-Dynastie, 1578 fertiggestellt. Eine umfassende Materia medica der chinesischen Kräuterkunde mit über 1.800 Einträgen, bis heute eine zentrale Referenz.
Heilpraktiker
Im deutschen Gesundheitssystem die Berufsgruppe, die nach dem Heilpraktikergesetz tätig sein darf. Viele Heilpraktiker sind auf TCM, Akupunktur oder pflanzliche Heilmittel spezialisiert. Bei Fragen zur eigenen Anwendung von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln ist ein qualifizierter Heilpraktiker eine geeignete Anlaufstelle.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Das übergeordnete System, das chinesische Kräuterkunde, Akupunktur, Tuina, Qigong und die traditionelle Ernährungslehre umfasst. Eine ausführliche Einführung finden Sie auf unserer Seite Was ist TCM.
Wichtige Hinweise
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