Geng Nian An: Die zwölf Kräuter der Rezeptur einfach erklärt

Geng Nian An: Die zwölf Kräuter der Rezeptur einfach erklärt

Geng Nian An. Sprechen Sie es ruhig einmal laut aus. Hört ja keiner.

Ungefähr „Göng Njän An“, das reicht völlig. Beim ersten Mal stolpert man. Beim dritten Mal sitzt es. Und sobald man weiß, was die drei Silben bedeuten, wirkt die kleine Dose im Regal gleich viel weniger geheimnisvoll.

Kurz gesagt: eine Rezeptur aus der chinesischen Kräutertradition. Zwölf Kräuter, gepresst zu Tabletten. Bei uns landen aber immer wieder dieselben zwei Fragen im Postfach. Was sind das für zwölf? Und wie nimmt man das eigentlich? Deshalb hier die lange Fassung.

Erst mal der Name

Drei chinesische Wörter.

Geng heißt so viel wie Wandel. Nian ist das Jahr, oder die Jahre. Hängt man noch ein qi dazu, wird daraus geng nian qi, und so heißen die Wechseljahre ganz alltäglich auf Chinesisch. Die Jahre des Wandels, grob übersetzt.

Mir hat das ehrlich gesagt ein kleines Lächeln entlockt. Wechseljahre, Jahre des Wandels. Zwei Sprachen, die nichts miteinander zu tun haben, und trotzdem fast dasselbe Bild.

Dann kommt an. Frieden. Oder Ruhe. Oder sicher, je nachdem, wen Sie fragen. Es ist übrigens dasselbe an wie in Tian’anmen, dem „Tor des himmlischen Friedens“ in Peking. Falls Sie mal ein Quizwissen brauchen.

Aber: Es bleibt ein Name. Viele alte chinesische Rezepturen tragen Namen, die fast poetisch klingen, und daraus mache ich hier kein Versprechen. Was ich Ihnen zeigen kann, ist das, was tatsächlich in der Dose steckt.

Moment, das sind Tabletten?

Genau.

Früher wurden solche Rezepturen meistens als Abkochung zubereitet. Getrocknete Kräuter in einen Topf, Wasser drauf, lange köcheln lassen, warm trinken. Manche Familien machen das bis heute so. (Wer das schon mal in einer kleinen Wohnung erlebt hat, weiß Bescheid. Man riecht es im ganzen Treppenhaus.)

Hier fällt der Topf weg. Die Kräuter werden zu Tabletten verarbeitet, 60 Stück pro Dose, jede wiegt 600 mg. Daneben stehen auf dem Etikett noch ein paar Dinge, die keine Kräuter sind: Hypromellose, Magnesiumstearat, Talkum und Polyethylenglykol. Die sorgen dafür, dass eine Tablette auch eine Tablette bleibt. Nicht besonders aufregend!

Für alle, die gern Etiketten lesen: vegan, glutenfrei, gentechnikfrei, hergestellt nach GMP.

Und was steckt nun drin?

Zwölf Kräuter. Das Etikett listet sie nach Menge, die größte zuerst. Ich halte mich grob an die Reihenfolge und fasse mich kurz. Versprochen.

Rehmannia (Sheng Di Huang und Shu Di Huang)

Die größte Einzelmenge der ganzen Rezeptur. Eine Wurzel, die getrocknet ganz dunkel und schrumpelig wird. Di huang heißt ungefähr „gelbe Erde“, sheng bedeutet roh. Shu di huang ist dieselbe Wurzel, nur vorher länger verarbeitet. Beide Formen stehen hier zusammen auf dem Etikett.

Poria (Fu Ling)

Gar keine Pflanze. Ein Pilz, der unterirdisch an den Wurzeln von Kiefern wächst und in kreideweiße Stücke geschnitten wird. In Peking gibt es sogar einen dünnen Waffelsnack damit, fu ling bing heißt der. Ein Pilz zwischen lauter Wurzeln und Ranken? Ja, klingt erst mal seltsam. In chinesischen Suppen taucht er aber ständig auf.

Morinda-Wurzel (Ba Ji Tian)

Eine Wurzel, die im Süden Chinas wächst. Getrocknet sieht sie aus wie eine kleine Kette aus Knötchen. Ehrlich gesagt erinnert sie mich ein bisschen an eine Perlenschnur, die jemand zu lange in der Hosentasche hatte.

Uncaria-Zweige (Gou Teng)

Gou heißt Haken. Nehmen Sie ein paar der getrockneten Stängel in die Hand und Sie sehen sofort, warum. Da sitzen kleine gebogene Häkchen dran. Wie etwas, das ganz unten in einer Angelkiste herumklappert.

Knöterich, zweimal (Ye Jiao Teng und Zhi He Shou Wu)

Die beiden stehen getrennt auf dem Etikett. Es ist aber dieselbe Pflanze! Ye jiao teng sind die Ranken, he shou wu ist die Wurzel. Das zhi davor heißt, dass die Wurzel vorbehandelt wurde. Verwandt mit dem Japanischen Staudenknöterich, den jeder Gärtner fürchtet. Eine andere Art, keine Sorge. Den muss niemand aus dem Beet reißen.

Klebreiswurzel (Nuo Dao Gen)

Ja, wirklich. Die Wurzel der Reispflanze, genauer gesagt vom Klebreis, den man vom Dim Sum kennt. Von allen zwölf ist das wahrscheinlich die bodenständigste Zutat. Die Pflanze kennt in Asien jedes Kind. Ihre Wurzel? Eher nicht.

Froschlöffel-Wurzelstock (Ze Xie)

Der Froschlöffel wächst im flachen Wasser am Rand von Teichen. Ze xie ist der dicke Wurzelstock unten im Schlamm, aus dem die Blätter nach oben schießen. Der deutsche Name gefällt mir übrigens deutlich besser als der englische.

Braunwurz (Xuan Shen)

Eine dunkle, fast schwarze Wurzel. In Scheiben geschnitten sieht sie aus wie getrocknete Lakritze. Mit Lakritze hat sie aber nichts zu tun. Leider, könnte man sagen.

Spaltkörbchen-Frucht (Wu Wei Zi)

Kennen Sie vielleicht als Schisandra. Wu wei zi heißt „Frucht der fünf Geschmäcker“, weil eine kleine rote Beere angeblich süß, sauer, salzig, bitter und scharf gleichzeitig schmeckt. Ich habe mal eine getrocknete probiert. Vor allem sauer. Und am Ende irgendetwas Merkwürdiges, das ich bis heute nicht benennen kann.

Schlangenbart-Wurzel (Mai Men Dong)

Gärtnern kommt das bekannt vor. Schlangenbart ist dieses grasartige Zeug, das man gern an Beetränder pflanzt, und der schwarze Schlangenbart in schicken Vorgärten ist ein Verwandter. Mai men dong sind die kleinen Knollen an den Wurzeln. Hell, prall, ungefähr so groß wie die Kuppe vom kleinen Finger.

Strauchpfingstrosen-Rinde (Mu Dan Pi)

Mu dan ist die Strauchpfingstrose. In China eine richtig große Sache, die Blüte sieht man auf Reisschalen, Vasen, Hochzeitsgeschenken. Die Rinde wird von der Wurzel geschält und zu kleinen Röllchen getrocknet. Die kleinste Menge auf dem Etikett.

Und wie nimmt man das?

Laut Packung zweimal täglich drei Tabletten, mit reichlich Wasser. Sechs am Tag also. Mehr als das sollen es nicht werden, das steht ausdrücklich so auf der Dose.

Kurz gerechnet: 60 Tabletten pro Dose, sechs am Tag, das macht zehn Tage. Deshalb gibt es auch die Packung mit sechs Dosen, falls Sie nicht alle anderthalb Wochen nachbestellen möchten.

Was bei mir mit allem klappt, das zweimal täglich dran ist? Es an etwas hängen, das ich sowieso jeden Tag mache. Frühstück. Abendbrot. Manche nehmen so eine Wochendose aus der Apotheke, mit den Tagen auf den Deckeln. Andere stellen sich eine Erinnerung im Handy. Hauptsache, Sie stehen nicht abends um neun in der Küche und fragen sich: hab ich, oder hab ich nicht?

Lagern Sie die Dose kühl, trocken und ohne direkte Sonne. Und außer Reichweite von Kindern.

Lesen Sie bitte trotzdem die Packung selbst, nicht nur diesen Beitrag. Etiketten werden ab und zu überarbeitet, und was auf Ihrer Dose steht, gilt.

Bitte nicht überspringen

Geng Nian An ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Das steht so auf der Produktseite, und ich sehe das genauso.

Sie nehmen Medikamente? Sie sind schwanger, stillen, oder haben gesundheitliche Beschwerden? Dann sprechen Sie bitte vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer qualifizierten Therapeutin. Fünf Minuten Gespräch, mehr braucht es meistens nicht.

Und wenn Ihnen der Wandel selbst gerade zu schaffen macht, gehört das in die Arztpraxis, nicht in einen Blog. Ganz ehrlich. Machen Sie den Termin.

Und jetzt?

Wenn das nächste Mal jemand die Dose bei Ihnen sieht und fragt, was um Himmels willen Geng Nian An ist, können Sie es erklären. Ein Name über die Jahre des Wandels, eine Rezeptur aus der chinesischen Tradition, und zwölf Kräuter in einer Tablette, darunter ein Pilz und eine Ranke mit Haken. Wer tiefer einsteigen möchte, findet die einzelnen Kräuter auch in unserem Kräuterlexikon und den Hintergrund im Beitrag über die Wechseljahre aus Sicht der TCM.

Aura Nutrition führt Geng Nian An als Dose mit 60 Tabletten und als Sechserpack.

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