TCM Ernährung: Die Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin
Die Ernährungslehre gehört zu den ältesten Bestandteilen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Während in Europa lange zwischen Nahrung und Heilmittel unterschieden wurde, kennt die chinesische Tradition diese scharfe Trennung nicht. Der Grundsatz yao shi tong yuan, "Medizin und Nahrung entspringen derselben Quelle", zieht sich durch die gesamte Geschichte der chinesischen Kräuterkunde.
Diese Seite gibt einen Überblick über die Grundgedanken der TCM-Ernährungslehre: ihre historischen Wurzeln, ihre Ordnungssysteme und die Art und Weise, wie Lebensmittel in dieser Tradition betrachtet werden.
Die historischen Wurzeln
Bereits im Huangdi Neijing, dem "Inneren Klassiker des Gelben Kaisers" aus der Han-Dynastie, finden sich ausführliche Abschnitte über Ernährung. Der Text beschreibt Getreide, Früchte, Gemüse und tierische Nahrungsmittel als Bestandteile einer geordneten Lebensweise und ordnet sie denselben Kategorien zu, die auch für Kräuter verwendet werden.
Im 7. Jahrhundert widmete der Arzt Sun Simiao der Ernährung ein eigenes Kapitel seines Werks Bei Ji Qian Jin Yao Fang. Er vertrat die Auffassung, dass ein Therapeut zunächst die Ernährung betrachten solle, bevor er zu Kräutern greife. Diese Reihenfolge, erst die Nahrung, dann die Rezeptur, prägt die chinesische Tradition bis heute.
Li Shizhen führte im Bencao Gangmu aus der Ming-Dynastie hunderte alltäglicher Lebensmittel neben klassischen Kräutern auf, jeweils mit derselben systematischen Beschreibung von Geschmack, thermischer Natur und Meridianbezug.
Die fünf Geschmacksrichtungen
Die TCM-Ernährungslehre ordnet Lebensmittel nach fünf Geschmacksrichtungen (wu wei). Diese Einteilung ist nicht rein sensorisch gemeint, sondern beschreibt in der klassischen Systematik eine Zuordnung zu den Wandlungsphasen und Organsystemen:
- Sauer (suan): in der Tradition der Wandlungsphase Holz und dem Lebermeridian zugeordnet. Beispiele sind Essig, Zitrusfrüchte und eingelegtes Gemüse.
- Bitter (ku): der Wandlungsphase Feuer und dem Herzmeridian zugeordnet. Beispiele sind Bitterstoffe in Blattgemüse, grüner Tee und Kaffee.
- Süß (gan): der Wandlungsphase Erde und dem Milzmeridian zugeordnet. Hierzu zählen in der klassischen Systematik nicht nur Süßspeisen, sondern vor allem Getreide, Wurzelgemüse und milde Grundnahrungsmittel.
- Scharf (xin): der Wandlungsphase Metall und dem Lungenmeridian zugeordnet. Beispiele sind Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürze.
- Salzig (xian): der Wandlungsphase Wasser und dem Nierenmeridian zugeordnet. Beispiele sind Meeresfrüchte, Algen und Salz.
In der klassischen Lehre gilt eine Mahlzeit als ausgewogen, wenn alle fünf Geschmacksrichtungen in einem sinnvollen Verhältnis vertreten sind, ohne dass eine einzelne dominiert.
Die thermische Natur der Lebensmittel
Neben dem Geschmack ordnet die chinesische Ernährungslehre jedem Lebensmittel eine thermische Natur zu. Gemeint ist damit keine messbare Temperatur, sondern eine traditionelle Kategorisierung, die beschreibt, wie ein Lebensmittel in der klassischen Betrachtung auf den Organismus wirkt. Die Skala reicht von heiß über warm und neutral bis kühl und kalt.
- Heiß und warm: Ingwer, Zimt, Lammfleisch, Fenchel, Walnüsse.
- Neutral: Reis, Karotten, Kartoffeln, Rindfleisch, viele Hülsenfrüchte.
- Kühl und kalt: Gurke, Tomate, Wassermelone, grüner Tee, Joghurt, die meisten Rohkostgemüse.
In der Tradition wird die thermische Natur eines Lebensmittels als ebenso bedeutsam angesehen wie sein Nährwert. Die Zubereitung verändert diese Zuordnung: längeres Kochen, Braten und die Zugabe wärmender Gewürze verschieben ein Lebensmittel in der klassischen Systematik in Richtung warm, während rohe Zubereitung es kühler einordnet.
Warum in der TCM selten roh gegessen wird
Eine der auffälligsten Eigenheiten der chinesischen Ernährungstradition aus europäischer Sicht ist die Zurückhaltung gegenüber Rohkost. In der klassischen Vorstellung muss der Körper kalte und rohe Nahrung zunächst "erwärmen", bevor er sie verarbeiten kann. Warme, gekochte Speisen gelten daher in der Tradition als leichter zugänglich.
Das erklärt, warum in der chinesischen Küche gedämpftes, gekochtes und kurz gebratenes Gemüse überwiegt und warum das Frühstück traditionell aus warmem Reisbrei (Congee) besteht statt aus kaltem Müsli oder Joghurt.
Die Bedeutung der Jahreszeiten
Die TCM-Ernährungslehre ist eng mit dem Jahreslauf verbunden. Jede Jahreszeit wird in der klassischen Systematik einer Wandlungsphase zugeordnet, und die Ernährung folgt diesem Rhythmus:
- Frühling (Holz): junges Grün, Sprossen, leichte und leicht saure Speisen.
- Sommer (Feuer): kühlende Lebensmittel, frische Früchte, leichte Zubereitungen.
- Spätsommer (Erde): milde, süße Grundnahrungsmittel wie Getreide und Wurzelgemüse.
- Herbst (Metall): befeuchtende Speisen wie Birnen, Nüsse und Suppen.
- Winter (Wasser): wärmende, lang gekochte Gerichte, Eintöpfe und Wurzelgemüse.
Nahrung und Kräuter in der chinesischen Tradition
Der Übergang zwischen Lebensmittel und Kraut ist in der chinesischen Tradition fließend. Zahlreiche Bestandteile klassischer Rezepturen sind zugleich alltägliche Nahrungsmittel. Da Zao, die Jujube, wird in China als Trockenfrucht gegessen und erscheint zugleich in Dutzenden klassischer Formeln. Shan Yao, die chinesische Yamswurzel, ist Gemüse und Kraut zugleich. Yi Yi Ren, die Hiobsträne, wird wie Getreide gekocht.
Auch Sheng Jiang (frischer Ingwer) und Gou Qi Zi (die Gojibeere) gehören zu diesen Grenzgängern zwischen Küche und Kräuterkunde. Eine vollständige Übersicht der Pflanzen der chinesischen Kräutertradition finden Sie in unserem Kräuterlexikon.
TCM-Ernährung im europäischen Alltag
Die Prinzipien der chinesischen Ernährungslehre lassen sich auch mit europäischen Lebensmitteln anwenden. Es geht in der Tradition nicht darum, chinesisch zu kochen, sondern darum, die Ordnungsprinzipien von Geschmack, thermischer Natur und Jahreszeit auf das zu übertragen, was regional verfügbar ist. Ein Eintopf aus Wurzelgemüse im Winter entspricht diesen Grundsätzen ebenso wie ein chinesisches Congee.
Mehr über die Traditionelle Chinesische Medizin
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Wichtige Hinweise
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Vorsicht: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung.
Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten sprechen Sie bitte vor einer Ernährungsumstellung mit Ihrem Arzt oder Therapeuten.
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