Der Herbst in der TCM: Metall-Element, Lunge und Loslassen
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Der Herbst in der TCM: Das Metall-Element und die Kunst des Loslassens
Wenn im September die Tage kürzer werden und die ersten Blätter fallen, beginnt in der chinesischen Tradition eine Jahreszeit mit einem eigenen, klar umrissenen Charakter. Der Herbst wird dem Metall-Element zugeordnet, und die klassische Lehre verbindet mit ihm eine Reihe von Eigenschaften, die vom Sammeln und Ordnen bis zum Loslassen reichen. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie die chinesische Tradition den Herbst versteht und welche überlieferten Empfehlungen sie für diese Zeit bereithält.
Das Metall-Element
Die chinesische Tradition ordnet jeder Jahreszeit eines der fünf Elemente zu: Holz dem Frühling, Feuer dem Sommer, Erde dem Spätsommer, Metall dem Herbst und Wasser dem Winter. Metall steht dabei für Klarheit, Struktur und Präzision, für das Trennen des Wesentlichen vom Unwesentlichen.
Das Bild dahinter ist die Ernte. Nach der ausgreifenden Fülle des Sommers ist der Herbst die Zeit, in der eingebracht wird, was von Wert ist, und liegen bleibt, was es nicht ist. Die Bäume geben ihre Blätter ab, die Natur zieht sich zusammen und richtet ihre Energie nach innen. Dem Metall-Element werden entsprechend die Himmelsrichtung Westen, die Farbe Weiß und das Klima der Trockenheit zugeordnet.
Die Emotion, die die Tradition mit dem Herbst verbindet, ist die Trauer, im weiten Sinne des Abschiednehmens. Das ist bemerkenswert unsentimental gemeint: In der klassischen Sichtweise gehört das Loslassen ebenso zum natürlichen Jahreslauf wie das Wachsen im Frühling, und beides hat seine Zeit.
Der Funktionskreis Lunge
Dem Metall-Element ist in der traditionellen Systematik der Funktionskreis der Lunge zugeordnet, gemeinsam mit dem Dickdarm. Auch hier ist wichtig: Die "Lunge" der chinesischen Lehre ist nicht mit dem anatomischen Organ gleichzusetzen, sondern ein Konzept, ein Funktionsbereich innerhalb eines Systems.
Die Tradition schreibt diesem Funktionskreis eine besondere Rolle beim Atem zu und verbindet ihn zudem mit der Haut, die in den klassischen Texten sinngemäß als die äußere Grenze des Körpers beschrieben wird. Der Dickdarm als zugeordneter Partner steht in dieser Systematik für das Ausscheiden, das Abgeben dessen, was nicht mehr gebraucht wird, womit sich das Bild des Herbstes schließt: Sammeln und Loslassen als zwei Seiten derselben Bewegung.
Trockenheit: das Klima des Herbstes
Von allen klimatischen Zuordnungen der fünf Elemente ist die des Herbstes vielleicht die anschaulichste. Trockenheit ist das, was diese Jahreszeit in der traditionellen Betrachtung prägt, und wer schon einmal im Oktober bei eingeschalteter Heizung aufgewacht ist, kennt das Phänomen aus eigener Erfahrung: trockene Luft, trockene Haut, ein trockenes Gefühl im Hals.
Entsprechend richtet sich die traditionelle Lebenspflege dieser Jahreszeit auf das Befeuchtende und Sammelnde aus. Die klassischen Empfehlungen für den Herbst laufen darauf hinaus, dem Körper zurückzugeben, was die trockene Luft ihm nimmt.
Die traditionelle Herbstküche
In der chinesischen Küchentradition gilt der Herbst als Zeit der weißen und der saftigen Speisen, passend zur Farbe des Metall-Elements. Birnen stehen dabei an erster Stelle und tauchen in zahllosen überlieferten Herbstrezepten auf, meist gedünstet oder in einer leichten Süßspeise gekocht statt roh gegessen. Daneben werden weiße Lebensmittel wie weißer Rettich, Lotuswurzel, Mandeln und weiße Pilze traditionell dieser Jahreszeit zugeordnet.
Übergreifend gilt für den Herbst dasselbe Prinzip wie für die gesamte kühlere Jahreshälfte: warm und gekocht statt kalt und roh, Suppen und Eintöpfe statt Salate, und ein maßvoller Umgang mit stark Scharfem, dem die klassische Systematik eine austrocknende Wirkung zuschreibt.
Yangsheng im Herbst
Die chinesische Kunst der Lebenspflege, Yangsheng, hält für jede Jahreszeit eigene Empfehlungen bereit. Für den Herbst laufen sie auf ein Wort hinaus: sammeln.
Der Huangdi Neijing, einer der ältesten klassischen Texte, empfiehlt für diese Jahreszeit ausdrücklich, früher zur Ruhe zu gehen und mit dem ersten Licht aufzustehen, den Geist ruhig zu halten und die Energie nicht zu zerstreuen. Übersetzt in den Alltag heißt das: etwas mehr Schlaf, etwas weniger Tempo, wärmere Kleidung besonders im Nacken- und Schulterbereich, den die Tradition als empfindlich gegenüber Wind beschreibt, und bewusste Momente der Ruhe.
Bewegung bleibt wichtig, verändert aber ihren Charakter. Die fließenden Bewegungskünste Qi Gong und Tai Chi gelten als besonders passend für diese Jahreszeit, ebenso ein Spaziergang an der frischen Luft. Was die Tradition für den Herbst nicht empfiehlt, ist das Ausreizen der eigenen Kräfte: Die Reserven, die jetzt aufgebaut werden, sind die, von denen der Winter zehrt.
Die Kräuter dieser Jahreszeit
Wie jeder Jahreszeit sind auch dem Herbst in der chinesischen Überlieferung bestimmte Kräuter zugeordnet, die in der klassischen Systematik dem Metall-Element oder dem Funktionskreis der Lunge zugerechnet werden. Wer sich für diese Zuordnungen interessiert, findet in unserem Kräuterlexikon zu jedem Kraut Herkunft, Geschichte und traditionelle Einordnung.
Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden ist Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die richtige Ansprechperson.
Häufig gestellte Fragen
Welches Element gehört zum Herbst?
Das Metall-Element. Ihm werden in der traditionellen Systematik die Himmelsrichtung Westen, die Farbe Weiß und das Klima der Trockenheit zugeordnet.
Welcher Funktionskreis ist dem Herbst zugeordnet?
Der Funktionskreis Lunge, gemeinsam mit dem Dickdarm. Beide sind Konzepte der traditionellen Lehre und nicht mit den anatomischen Organen gleichzusetzen.
Warum gilt der Herbst als trockene Jahreszeit?
Trockenheit ist das klimatische Merkmal, das die chinesische Tradition dem Metall-Element zuordnet. Die traditionelle Lebenspflege dieser Jahreszeit richtet sich entsprechend auf Befeuchtendes und Wärmendes aus.
Welche Lebensmittel gelten traditionell als typisch für den Herbst?
Weiße und saftige Lebensmittel, allen voran die gedünstete Birne, daneben weißer Rettich, Lotuswurzel, Mandeln und weiße Pilze.
Was empfiehlt Yangsheng für den Herbst?
Früher schlafen gehen, mit dem ersten Licht aufstehen, den Nacken warm halten, warm und gekocht essen sowie sanfte Bewegung statt Auspowern.
Der Herbst ist in der chinesischen Tradition keine Übergangszeit, sondern eine Jahreszeit mit eigenem Charakter. Wer tiefer in diese Gedankenwelt eintauchen möchte, findet im Kräuterlexikon den passenden Einstieg.