Poria cocos (Fu Ling): Der Poria-Pilz in der TCM-Tradition
Poria cocos, in der chinesischen Kräuterkunde als Fu Ling bekannt, gehört zu den am häufigsten verwendeten Bestandteilen der gesamten Traditionellen Chinesischen Medizin. Anders als die meisten Pflanzen der TCM ist Fu Ling kein Kraut im klassischen Sinn, sondern ein Pilz. Über Jahrhunderte hinweg ist er fester Bestandteil zahlreicher überlieferter Rezepturen und gilt in der Tradition als besonders ausgleichend.
Diese Seite gibt einen Überblick über Poria cocos: ihre Namen, ihre Besonderheit als Pilz, ihre Herkunft, die traditionelle Einordnung in der TCM und ihren Platz in klassischen Rezepturen.
Die Namen einer ungewöhnlichen Zutat
Poria cocos begegnet in der Literatur unter mehreren Namen.
Poria cocos ist die ältere, aber in der TCM-Literatur noch weit verbreitete botanische Bezeichnung. Nach neuerer Klassifikation wird der Pilz als Wolfiporia cocos bezeichnet, da seine Einordnung in die Familie der Stielporlingsverwandten genauer untersucht wurde.
Fu Ling (茯苓) ist der chinesische Name, der in der TCM-Tradition seit der Antike verwendet wird.
Im Deutschen findet sich gelegentlich die Bezeichnung Poria-Pilz oder, weniger geläufig, Kiefernschwamm, der auf den natürlichen Wuchsort des Pilzes verweist.
Ein Pilz, keine Pflanze
Im Unterschied zu fast allen anderen Bestandteilen der chinesischen Kräuterkunde ist Fu Ling botanisch kein Kraut, sondern ein Pilz. Genauer gesagt handelt es sich um das sogenannte Sklerotium, eine kompakte, unterirdische Dauerform des Pilzes, die als Speicherorgan dient.
Der Pilz wächst in einer parasitisch-saprophytischen Beziehung an den Wurzeln verschiedener Kiefernarten. Aus dieser Verbindung erklärt sich auch der gelegentlich verwendete deutsche Name Kiefernschwamm. Die geernteten Sklerotien sind hart, hell bis bräunlich und können beachtliche Größen erreichen.
Diese Besonderheit, ein Pilz unter überwiegend pflanzlichen Bestandteilen, macht Fu Ling zu einer eigenständigen Erscheinung in der chinesischen Kräuterkunde.
Die verschiedenen Teile von Fu Ling
In der TCM-Tradition werden mehrere Teile des Pilzes unterschieden und jeweils eigenen Verwendungen zugeordnet.
- Bai Fu Ling (白茯苓), das weiße Innere des Sklerotiums. Die in der TCM am häufigsten verwendete Form, besonders in tonisierenden Rezepturen.
- Chi Fu Ling (赤茯苓), die rötlich gefärbte, äußere Schicht direkt unter der Schale. In der klassischen Tradition mit eigenen Eigenschaften beschrieben.
- Fu Ling Pi (茯苓皮), die äußere Schale des Sklerotiums. Wird in der Tradition gesondert verwendet.
- Fu Shen (茯神), Fu Ling mit anhaftenden Kiefernwurzeln. In der TCM-Tradition mit dem Shen, dem Geist, in Verbindung gebracht und in entsprechenden Rezepturen eingesetzt.
Auf dieser Seite konzentrieren wir uns auf Bai Fu Ling, die in den Aura Nutrition Rezepturen verwendete Form.
Fu Ling in der TCM-Tradition
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Fu Ling jenen Bestandteilen zugeordnet, die in der überlieferten Theorie Feuchtigkeit umwandeln und gleichzeitig das Qi der Milz tonisieren. In der klassischen Kategorisierung gilt Fu Ling als besonders ausgewogen und mild, weshalb er in vielen zusammengesetzten Rezepturen verwendet wird.
Klassische TCM-Texte beschreiben Fu Ling seit der Antike. Bereits im Shennong Bencao Jing, einem der ältesten überlieferten Texte der chinesischen Materia medica, wird der Pilz erwähnt und der oberen Klasse der Heilpflanzen zugeordnet, denen in der Tradition langfristige, ausgleichende Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Shang Han Lun von Zhang Zhongjing und das Bencao Gangmu von Li Shizhen haben seine Einordnung weiter verfeinert.
Fu Ling wird in der TCM-Tradition fast nie allein verwendet. Sein Platz ist in zusammengesetzten Rezepturen, wo er häufig zusammen mit Bai Zhu und Ren Shen klassische tonisierende Grundrezepturen bildet.
Das Dao-Di-Prinzip bei Fu Ling
Fu Ling ist ein klassisches Beispiel für das traditionelle Dao-Di-Prinzip der chinesischen Kräuterkunde. Nach diesem Prinzip hat jeder Bestandteil der Materia medica eine optimale Herkunftsregion, in der Boden, Klima und Umweltbedingungen ideal zur jeweiligen Art passen.
Für Fu Ling liegt die klassische Region in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Fu Ling aus dieser Region wird in der chinesischen Tradition als Yun Ling bezeichnet und gilt als die geschätzte Variante. Die ausgedehnten Kiefernwälder Yunnans bieten dem Pilz die natürliche Umgebung, die seinem Wachstum entspricht.
Weitere traditionelle Anbau- und Sammelgebiete liegen in den Provinzen Anhui, Hubei und Fujian. Auch hier ist die Verbindung zu Kiefernwäldern die Voraussetzung für die Kultur von Fu Ling.
Klassische Rezepturen mit Fu Ling
Fu Ling findet sich in zahlreichen klassischen Rezepturen der TCM. Einige der bekanntesten, die auch im Sortiment von Aura Nutrition vertreten sind:
- Si Jun Zi Tang, die "Rezeptur der vier Edlen". Fu Ling ist hier eine der vier zentralen Zutaten dieser klassischen tonisierenden Grundrezeptur.
- Shen Ling Bai Zhu San, die "Ling" im Namen trägt direkt auf Fu Ling Bezug.
- Gui Zhi Fu Ling Wan, eine Rezeptur, die Fu Ling sogar direkt im Namen trägt.
- Xiao Yao San, die als "Freier und leichter Wanderer" bekannte harmonisierende Rezeptur.
- Jia Wei Xiao Yao San, die erweiterte Form von Xiao Yao San.
- Xiang Sha Liu Jun Zi Tang, eine Variation der vier Edlen mit zusätzlichen Bestandteilen.
- Liu Wei Di Huang Tang, eine der bekanntesten Yin-tonisierenden Rezepturen der TCM.
- Gui Pi Tang, eine klassische tonisierende Rezeptur.
- Bu Zhong Yi Qi Wan, eine weitere zentrale tonisierende Rezeptur.
- Shi Quan Da Bu Tang, die "zehnfach große tonisierende Rezeptur".
- Ba Zhen Yi Mu Tang, die "Acht Schätze" mit Yi Mu Cao.
Die häufige Verwendung in tonisierenden und harmonisierenden Rezepturen macht Fu Ling zu einem der zentralen Bestandteile der chinesischen Kräuterkunde.
Ernte und Verarbeitung
In der traditionellen Praxis wird Fu Ling im Herbst geerntet, wenn die Sklerotien ihre volle Größe und Reife erreicht haben. Die Sammlung in den Kiefernwäldern erfordert traditionell Wissen und Erfahrung, da die Sklerotien unterirdisch wachsen und an den entsprechenden Standorten gezielt aufgespürt werden müssen.
Nach der Ernte werden die Sklerotien gereinigt, ihre äußere Schale entfernt oder gesondert verarbeitet, und das Innere in Scheiben oder Würfel geschnitten. Anschließend erfolgt eine schonende Trocknung. In modernen Anbauformen werden Kiefernhölzer mit dem Pilz beimpft, um eine kontrolliertere Produktion zu ermöglichen.
Die weitere Verarbeitung erfolgt heute in zertifizierten Anlagen, die den Anforderungen der Good Manufacturing Practice entsprechen. Auch die Kräuter und Pilze im Sortiment von Aura Nutrition werden nach diesen Standards verarbeitet.
Mehr über die Traditionelle Chinesische Medizin
Eine ausführliche Einführung in die Grundlagen der TCM finden Sie auf unserer Seite Was ist TCM. Eine Übersicht der wichtigsten Begriffe der TCM bietet unser TCM Glossar. Weitere Pflanzen und Pilze der chinesischen Kräuterkunde finden Sie im Kräuterlexikon.
Aura Nutrition Produkte mit Fu Ling
Im Sortiment von Aura Nutrition finden Sie Fu Ling als Bestandteil folgender klassischer Rezepturen:
- Si Jun Zi Tang
- Shen Ling Bai Zhu San
- Gui Zhi Fu Ling Wan
- Xiao Yao San
- Jia Wei Xiao Yao San
- Xiang Sha Liu Jun Zi Tang
- Liu Wei Di Huang Tang
- Gui Pi Tang
- Bu Zhong Yi Qi Wan
- Shi Quan Da Bu Tang
- Ba Zhen Yi Mu Tang
Wichtige Hinweise
Vorsicht: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung.
Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten sprechen Sie bitte vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Therapeuten.
Diese Seite dient ausschließlich der allgemeinen Information über Poria cocos in der TCM-Tradition. Sie enthält keine medizinischen Empfehlungen und ersetzt keine Beratung durch einen Arzt oder Heilpraktiker. Aura Nutrition Produkte sind Nahrungsergänzungsmittel und keine Arzneimittel.
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